Wie man ein Werk in 2 Wochen neu aufbaut

Am 24. August wurde das Kautex-Werk in Windsor von einem Tornado der Stärke F2 verwüstet. Sobald feststand, dass alle Mitarbeiter in Sicherheit sind, nahm das Team die anspruchsvolle Aufgabe in Angriff, das Werk wieder aufzubauen und im Sinne der Kunden für eine minimale Unterbrechung des Betriebs zu sorgen.

Die erste Begutachtung ergab gemischte Ergebnisse:

  • Bauingenieure bestätigten, dass die Dach- und Rahmenträger noch zu 90 % verwendbar und sicher waren
  • Kühler und Kompressoren waren nur wenig beschädigt
  • Alle Blasformmaschinen und nachgeschalteten Anlagen schienen kaum beschädigt zu sein
  • Die IT-Server und Schaltschränke schienen unversehrt zu sein
  • Der Status des Materialzuführungssystems war unbekannt
  • Nur einer der drei Transformatoren war potenziell einsatzbereit, der gesamte Boden war mit Wasser und Schutt bedeckt und ein 1000-Ampere-Schaltschrank war durchnässt.

Kautex nahm sofort mit seinen Kunden Kontakt auf, die nun vor schwierigen Entscheidungen standen: Können sie Fahrzeuge ohne Kraftstofftanks bauen und die Tanks später einbauen? Können sie ihren Produktmix ändern? Wenn sie ihre Werke schließen müssten - für wie lange? Können die Werkzeuge an einen anderen Standort verlegt werden?

Die ursprüngliche Zeitschätzung für den Wiederaufbau lautete acht Wochen. Acht Wochen Produktionsausfall. Acht Wochen, in denen die Kunden mit ihren Produktionsplanungen jonglieren müssen - in einem Geschäftsumfeld, das nicht gerade als nachsichtig bekannt ist.

Steve Phillips, Director of Operations in Windsor, bat die am Wiederaufbau beteiligten Partner, den Plan noch einmal durchzugehen. Gemeinsam verkürzten sie die Zeit von acht auf zwei Wochen: eine vertretbare Zeit für die wichtigsten Kunden des Werks.

Wie war eine Verbesserung um 75 % beim Zeitplan möglich?

„Zu Anfang haben wir dafür gesorgt, dass der Zeitplan Priorität vor allem anderen bekam - mit Ausnahme der Sicherheit”, erläutert Steve. „Wir sorgten in enger Zusammenarbeit mit dem örtlichen Elektrizitätsversorger dafür, dass die Stromversorgung bis zum Ende des ersten Wochenendes wiederhergestellt wurde, damit wir mit dem Wiederaufbau beginnen konnten. Rund um die Uhr waren Arbeitsteams im Werk und erledigten Sanierungsarbeiten, bauten Wände und Dach wieder auf, verlegten Kabel, führten Klempnerarbeiten und sonstige Maßnahmen durch. Außerdem haben wir ein ‚Werk im Werk‘ aufgebaut und so eine Produktionszone für die Blasformmaschine P1 hinter den Mauern des Baustellenbereichs geschaffen.

„Wir haben unsere Kunden in jeder Phase mit einbezogen”, erklärt Steve weiter. Zunächst haben wir sie regelmäßig zweimal täglich per Telefon über den aktuellen Status informiert, sie haben uns jedoch darüber hinaus mit der Entsendung von Arbeitssicherheitsspezialisten und qualifizierten Handwerkern und mit Beratungsleistungen geholfen.

Im Verlauf des Prozesses wurden auch einige "originelle" Methoden eingesetzt.

„Unser erster Backtest wurde von Home Depot gesponsert” amüsiert sich Steve, denn der erste Backtest wurde in einem Ofen durchgeführt, der bei der örtlichen Baumarktkette Home Depot gekauft wurde. „Es war ein wenig wie Kekse backen, nur das Ergebnis war nicht so schmackhaft”. (Der Ofen wurde später gereinigt und an eine karitative Einrichtung übergeben).

Gewonnene Erfahrungen - zum Teil mit Lehrgeld

Auch jetzt überlegt das Team weiterhin, was gut funktioniert hat und was man hätte anders machen können:

  • Die Stadt Windsor hat kein Warnsirenensystem. Aus Sicherheitsgründen muss unser Werk eine Alternativlösung finden.
  • Die Liste der während des Tornados im Werk anwesenden Mitarbeiter befand sich in Papierform auf dem Schreibtisch des Schichtleiters - und überstand den Sturm nicht. Das elektronische Anwesenheits- und Zeiterfassungssystem sollte eine Schnittstelle zu Mobiltelefonen haben, damit eine Liste der im Werk befindlichen Mitarbeiter und externen Dienstleister schnell per Download verfügbar ist.
  • Das Sanierungsunternehmen musste über die im Automobilgeschäft üblichen engen Termine unterrichtet werden. Viele Sanierungsunternehmen sind Projekte von mehreren Monaten Dauer gewohnt - aber das dauert im Automobilsektor einfach zu lange.
  • Den Kunden frühzeitig und oft informieren, denn er ist eine starke und einflussreiche Ressource.
  • Rückschläge einplanen. Kautex Windsor erlebte bei Wiederaufbau mehrere davon:
    • Schalter / Handventile wurden physisch bewegt
    • Antriebsplatinen in den Computern der Blasformmaschinen waren nicht eingebaut
    • Kabel wurden abgezogen
    • Motoren, bei denen man zunächst von Betriebsbereitschaft ausgegangen war, erwiesen sich als beschädigt - wie auch Antriebsplatinen, CPUs und der IT-Serverraum

Letztendlich siegt der Teamgeist

In echter Kautex-Manier kamen mehr als 20 Mitarbeiter aus der ganzen Welt, um Hilfe zu leisten.

„In Zeiten wie diesen erkennt man die Stärke des gesamten Kautex-Netzwerks” kommentiert Steve weiter. „Wir fühlen uns als einziges Werk in Kanada manchmal wie auf einer Insel, aber das Kautex-Team hat das Projekt erfolgreich gemeistert und wieder einmal bewiesen, dass wir ein globales Team sind, das gemeinsam erfolgreich sein will.”

Diesen Erfolg haben auch unsere Kunden anerkannt.

Kunden haben dem Werk Anerkennungszertifikate für die schnelle Wiederherstellung des Betriebs verliehen und ein Kunde hat sich von uns vor Ort über den Prozess informieren lassen – und Ideen für eigene Katastrophenwiederherstellungsmaßnahmen mitgenommen.

„Ein Sprichwort sagt: Nachahmung ist das ehrlichste Kompliment“, kommentiert Steve mit einem Lächeln.

 

Kautex-Mitarbeiter warten auf die Ergebnisse des ersten Backtests